JOSEPH HAYDN

13 OPERE

Das Projekt

Haydn13

Das Projekt www.haydn13.com - Ein Vorwort 

 

„... dann ich versichere, daß dergleichen Arbeith in Paris noch nicht ist gehört worden ...“

Wie aktuell doch diese Aussage Haydns bleiben sollte! Noch heute harrt die Welt der Opern Joseph Haydns und weder Paris noch sonst eine europäische Metropole hat eine bedeutsame Aufführung seiner Musikdramen erlebt, geschweige denn aller 13!  Selbiger Auszug stammt übrigens aus dem Brief Haydns an seinen Verleger Artaria, verfasst am 17. Mai 1781, in dem Haydn über seine beiden damals aktuellen Opern L'isola disabitata und La fedeltà premiata schrieb. 
Sollte denn Joseph Haydn, der Vater der Sinfonie, der Schöpfer der größten Oratorien und Wegbereiter des Streichquartetts in seinen Opernkompositionen wirklich mittelmäßig (gewesen) sein? Gerade da doch die Tätigkeit als Opernkomponist sowie als Opernkapellmeister eine zentrale Aufgabe und die intensivste Zeit Haydns am Hofe der Esterházy's darstellte?
Mir persönlich erschien das immer unglaubwürdig, ja geradewegs grotesk! 
Ich wollte der Ursache auf den Grund gehen, aber anstatt plausibler Erklärungen zu erhalten, stieß ich auf fragwürdige Begründungen und durchwegs auf Unwissenheit bzw. auf daraus resultierende Vorurteile. Dabei konnte man niemandem einen Vorwurf machen, denn woher sollte man das erforderliche Wissen über Haydns 13 Opern auch nehmen? Es gab und gibt bis dato keine ausführliche Abhandlung darüber. 
Das lag und liegt letztendlich auch am fehlenden Interesse diverser Verlage, die verständlicherweise betriebswirtschaftlich denken müssen. Doch hier gilt die Frage: Henne oder Ei? Sollte zuerst ein gutes Angebot produziert oder die Nachfrage abgewartet werden? Ich beantworte diese Frage mit einer Gegenfrage: Wie kann man Nachfrage nach etwas schüren, über das faktisch niemand richtig Bescheid weiß? 
Auch wenn es fraglos eine unschätzbare Leistung des Henle-Verlages war, alle Opern zu editieren - die erste Urtextedition einer Haydn-Oper ( La canterina ) entstand erst 1959. Die letzte der 13 Partituren erfuhr ihre Urtextfassung dann 2009 ( L'isola disabitata ). Dazwischen liegen 50 lange Jahre (!). Natürlich kann sich so kein Sog aufbauen, der Interesse schürt. Und Klavierauszüge gibt es auch nur von 7 der 13 Opern. Handbücher sucht man weiterhin vergebens und die diversen Opernführer geben ohnehin mehr schlecht als recht und immer lückenhaft Auskunft über Haydns Opernschaffen. Was den Musikalienhändlern bei Haydn Geld einbrachte, waren die Sinfonien, die Messen, die Kammermusik und die Klaviermusik. Dazu kam, dass die insgesamt sehr konservativ agierenden Musiktheaterbetriebe in ganz Europa, ja weltweit, diesen musikalischen Schatz ignorierten. Doch nicht aus qualitativen Überlegungen heraus, sondern auf Grund schlichter Unkenntnis dieser Opern. Also ein ziemlich gemeiner Kreislauf, in den Haydns Opern geraten sind und den es irgendeinmal zu durchbrechen galt.

Es war also Zeit ...

Ich ging persönlich und privat daran, das erste Kompendium über die 13 Opern Joseph Haydns zu verfassen, mit der Motivation, endlich eine Grundversorgung an Basiswissen über Haydns 13 Opern zu sichern. Diese sollte ein Maximum an Verbreitung erfahren und hinsichtlich der Inhalte sowie der Verfügbarkeit keinerlei Hürden aufweisen. Das konnte nur ein virtuelles Handbuch, eine Homepage, bieten: www.haydn13.com war geboren.
Ich wollte als Dirigent für Liebhaber und Experten gleichermaßen ein Portal entwickeln, das alle wesentlichen Informationen klar strukturiert zur Verfügung stellt. Auf keinen Fall sollte es eine ausschließlich wissenschaftliche Plattform bzw. digitale Datenbank werden, die schon auf der Startseite zum "wegklicken" verleitet und zu deren "Entschlüsselung" man weitere Fachbücher benötigt. 
Das ist auch der richtige Moment, meine Herangehensweise zu beschreiben: Ich näherte mich diesem unermeßlichen Opernuniversum wie gesagt als Dirigent und nicht "vordergründig" als Musikwissenschaftler. Ich trat an diese Arbeit als neugieriger Musiker heran, der dringende Antworten suchte. 
Lange überlegte ich, ob ich ebenfalls meine intensiven und ausgedehnten musikanalytischen Arbeiten auf dieser Homepage publizieren sollte. Gerade weil es keine umfassenden gesammelten Schriften zu den Opern Haydns gibt, war die Versuchung groß, soviel als möglich von den faszinierenden Erkenntnissen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Ich musste aber letztendlich meinen Beratern beipflichten, die davon warnten. Eine Homepage ist nicht der geeignete Ort dazu. Ich hielt mich deshalb auch mit subjektiven Äußerungen bzw. Einschätzungen weitestgehend zurück. "Subjektiver" als in diesem Vorwort bzw. im Text über meine Person wird es nirgends mehr. Ich werde aber im Laufe der Zeit diese Homepage immer wieder dazu nutzen, da und dort Ergebnisse meiner Arbeit zu veröffentlichen.
Als ersten Schritt versuchte ich, diese 13 Opern aus dem Blickwinkel jener zu betrachten, die letztendlich den Ausschlag für erfolgreiche Produktionen geben: Opernhäuser, Festivaldirektoren und Intendanten sowie Organisatoren und natürlich das Publikum auf der anderen Seite, das mit seiner Leidenschaft und Neugierde die Welt der Oper erst lebendig macht und letztendlich finanziell mitträgt. Dirigenten wie Musikern kann und will ich mit dieser Arbeit einen Anstoß geben. Sie werden auf dieser Homepage alle erforderlichen Informationen finden, um in der notwendigen Eigenrecherche schnell Fortschritte zu machen. 

Diese Homepage gliedert sich in vier Themenbereiche:   
1.) Einer neuen Systematisierung der 13 Opern Joseph Haydns
2.) Das Bereitstellen aller interessanten Fakten, Zahlen, Daten, Personen und sonstiger relevanter Informationen (etwa zur Partitur)
3.) Alle Inhaltsangaben, die sich ausschließlich am italienischen Textbuch/Libretto orientieren
4.) Alle ungekürzten Textbücher/Libretti, die mit den Faksimile abgeglichen wurden.

Und an dieser Stelle ist es für mich notwendig, meine wichtigste wissenschaftliche Quelle zu benennen, die mich zu vielen Erkenntnissen geführt hat und wesentliche Annahmen bestätigte:
PRATL, Josef und SCHECK, Heribert: Esterházysche Musik-Dokumente. Die Musikdokumente in den Esterházyschen Archiven und Sammlungen in Forchtenstein und Budapest. 
Die digitale Datenbank dahinter wurde mir dankenswerter Weise von Herrn Dr. Walter Reicher schon Monate vor der Veröffentlichung dieses Buches zur Verfügung gestellt.

Mein erstes Ansinnen war es also, eine Systematik zu schaffen, die einen strukturierten, chronologischen Überblick über Haydns 13 Opern ermöglicht. Das gelang auch, faszinierenderweise, aber anders als ich es erwartete: Weder textliche oder analytische bzw. "historische" Analysen sollten erforderliche Kriterien für eine neue Ordnung liefern, sondern die Zusammensetzungen der Sängerensembles im Laufe der 29 Jahre. Ich erkannte darin eine Struktur und leitete daraus eine Gliederung des Opernschaffens in drei Perioden ab. Jedoch habe ich bewusst die Ordnung nach Anthony van Hoboken (Hob. XXVIII 1-13 ) als auch die Ordnung (Reihe XXV 1-13) des Henle-Verlags angeführt, da meine Systematisierung nicht im Kontext zu den anderen Gattungen Haydns steht.
Des Weiteren wollte ich in diese Homepage eine Sammlung vollständiger und richtiger Inhaltsangaben aller 13 Opern integrieren. 
Und der letzte Schritt: Die Herstellung aller Libretti in digitaler Form als PDF. Auch das gab es bis dato noch nicht! Eigentlich unglaublich!
Ich möchte an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich auf dieser Homepage gerne die Partituren zur Ansicht (nicht zum Download) gebracht hätte. Doch die Vorbehalte des Henle-Verlages, die ich nur bedingt nachvollziehen kann, haben dieses Unterfangen vorerst nicht ermöglicht.

Zur Handhabung der Homepage www.haydn13.com
Das Wichtigste vorweg: Haydn hinterließ uns 13 italienische Opern. Zwölf davon schrieb er für den Fürsten Nikolaus I. Joseph Esterházy de Galantha, genannt auch „der Prachtliebende“. Die ersten zwei überlieferten noch in Eisenstadt, die anderen zehn für das Schlosstheater in Esterház. Die letzte Oper, Orfeo ed Euridice , komponierte er 1791 in London, sieben Jahre nach der Armida , bzw. sechs Jahre nach der Rekonstruktion der Oper La vera costanza
Zum Erscheinungstyp bzw. zum Design dieser Homepage: Die 13 Opern "setzen" auf die Wirkung der Farben. Die schwarz-weiß gehaltene Grundfarbe der Homepage durchbrechen 13 unterschiedliche Farben. Jeder Oper wurde eine eigene Farbe zugeordnet. Dazu kommen noch Farbtöne für die drei Perioden der Chronologie. 

Operntabelle

Die "Opernfarbe" korrespondiert mit der Ordnung innerhalb Haydns "Formentwicklung" hin zum "ernsteren" Genre, hin zur Opera seria. 
Der Farbton symbolisiert nicht nur die Oper selbst, sondern "hebt" auch die Charaktere und Akteure der jeweiligen Oper hervor. Außerdem kennzeichnet die Farbe meist Verknüpfungen zu weiteren Informationen oder anderen Menüseiten (wie z.B. Biographien). 

Die Homepage ist an sich zweigeteilt
1) In die Hauptseite, also die Opernseite mit der Auflistung der 13 Opern, die ihren Anfang direkt mit der Startseite nimmt und die im weiteren immer mit der auf der rechten oberen Seite befindlichen "Miniatur" angesteuert werden kann.
2) In die Menüseite, die Informationsseite, die auf der Startseite mit dem am linken oberen Rand befindlichen roten Menüpunkt angesteuert werden kann.
Auf der Startseite, können alle Opern direkt angewählt werden. Jedoch hält jede ausgewählte Oper am rechten Rand eine Farbkette bereit, die es weiterhin erlaubt, andere Opern direkt anzusteuern, ohne auf die Startseite zurück navigieren zu müssen. 
In der angewählten Oper finden sich im Kapitel „Personen“ unter dem Punkt Orchester neben der Orchestrierung der Partitur auch die wahrscheinliche Originalbesetzung am Tag der Premiere, eruiert durch die Gehaltlisten der jeweiligen Monate. "Besetzung Orchester" bzw. "Anzahl der Orchestermusiker" zeichnen also ein Bild des Premierenorchesters. 
Die Besetzungen werden gemäß der Anordnung in der Partitur mittels einer Zahlenfolge dargestellt, z.B. 
2|2|0|2 – 2|2 – 1 – Str.(6|4|2|2|2), 
was soviel bedeutet wie: 
2 Flöten, 2 Oboen (an dieser Stelle werden dann auch die Englischhörner angeführt), in vorliegenden Falle also keine Klarinette (diese treten erst ab der 12. Oper, Armida in Erscheinung), 2 Fagotti, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauke und die Streicher, in der Besetzung von 6 1. Violinen, 4 2. Violinen, 2 Bratschen, 2 Violoncelli und 2 Kontrabässen.

Diese Homepage stellt ebenfalls alle Textbücher der 13 Opern in der italienischen Urfassung als PDF zum Download zur Verfügung. Ich bitte aber vorher um Bekanntgabe der E-Mail-Adresse, die durch eine Zusendung bestätigt wird. 

Hinweisen möchte ich auch auf die Handhabung der Zitate: Die Zitate bei den 13 Opernseiten wurden durchnumeriert, von 1 bis ... .Die Zählweise bei den Menüseiten allerdings beginnt wieder bei 1. Alle Quellen mussten aus "benutzerfeundlichen" Gründen auf einer eigenen Unterseite im Menü aufgelistet werden und sind dort auch nach Kapitel geordnet. Den mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones ist es leider geschuldet, auf interaktive Fenster zu verzichten. Und auch eine etwaige Plazierung in der Fußzeile der jeweiligen Seite stellte sich als unpraktikabel heraus, da viele Seiten übermäßig lange sind.
Ich möchte hier auch festhalten, dass das Design auf die Nutzung durch Computer und eventuell auf Tablets ausgerichtet ist und weniger auf jene durch Smartphones. Ich ging in der Konzeption davon aus, dass Recherchen solcher Art am Smartphone wohl weniger Sinn ergeben.

Abschließend bitte ich den geneigten Leser, bei Fehlern oder sonstigen Unzulänglichkeiten um Nachsicht. Etwa der Akzent Gravis, der manchmal nicht darstellbar war. Auch das Internet und seine akzeptierten Schriften kennen offenbar Grenzen. Sollten Fehler gefunden oder gar neue Erkenntnisse zum einen oder anderen Thema gewonnen werden, bitte ich darum, mich davon in Kenntnis zu setzen. So es die Homepage betrifft, wird das natürlich berücksichtigt, korrigiert oder nachgereicht. 

All dies wäre nicht ohne die Unterstützung so vieler möglich gewesen:
Der größte Dank gilt zu allererst meiner Familie, meiner Frau Silvija, die mich in so vielen wichtigen Belangen während dieser Arbeit im wahrsten Wortsinne getragen hat. 
Diese Arbeit war auch ohne das Zutun meiner Freunde undenkbar. Allen voran mein lieber Freund und grandioser Lektor Harald Schellander, der mich so oft inspirieren konnte. Sowie meine liebe Freundin und ehemaligen Arbeitskollegin Cäcilia Smole-Maurer, mit der ich so manch großes Projekt durchgefochten habe und die ganz nebenbei eine hervorragende Musikwissenschaftlerin ist.
Als wichtigsten Unterstützer und Förderer dieser Seite bzw. der Initiative Haydn13 insgesamt möchte ich hier Herrn Dr. Walter Reicher, den Intendanten der Haydn Festspiele Eisenstadt anführen und ihm gleichzeitig herzlichsten Dank aussprechen. Nicht nur für seine Unterstützung in jeglicher Form - und hier sei auch seinem Team gedankt - sondern für die vielen reflektierenden Gespräche und seine Ermutigungen. Ohne Dr. Walter Reicher würde es diese Arbeit nicht geben ... Danke! 
Ich möchte an dieser Stelle auch Frau Silke Schloen vom "Joseph Haydn-Institut" in Köln danken, die mir immer wieder weitergeholfen hat. Selbiges gilt für Herrn Dr. Armin Raab, dem Wissenschaftlichen Leiter des "Joseph Haydn-Institut" in Köln, der mir die gesamte Literaturliste zur Verfügung gestellt hat. 
Und dann schulde ich drei Bundesländern Dank und ich möchte hier - entgegen aller Gepflogenheiten - Namen nennen, denn ich weiß, dass jene Personen die Tragweite dieser Homepage erkannt und alle bürokratischen Hürden aus dem Weg geräumt haben:
Dr. Pia Bayer vom Amt der Burgenländischen Landesregierung,
Anita Zemlyak und Mag. Daniela Ottmaier von der Kulturabteilung der Stadt Wien und
Mag. Michael Linsbauer vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. 

 

Dr. Michael Fendre, Dirigent