JOSEPH HAYDN

13 OPERE

L'isola disabitata

Azione teatrale

Haydn13

Operndaten

Originaltitel im Textbuch

L' ISOLA DISABITATA AZIONE TEATRALE IN DUE PARTI PER MUSICA DEL CELEBRE SIGNOR ABBATE PIETRO METASTASIO POETA CESAREO DA RAPPRESSENTARSI IN OCCASIONE DEL GLORIOSISSIMO NOME DI S. A. IL PRINCIPE NICOLO ESTERHAZI DI GALANTHA. L'ANNO 1779.

Ordnung
II. Periode 9. Oper / Reihe XXV:9 / Hob. XXVIII:9
Operntypus
Azione teatrale / Opera seria
Anzahl der Akte
2
Anlass der Komposition

Anlässlich des Namenstages des Fürsten

Kompositionsjahr
1779
Uraufführung
6. Dezember 1779
Ort der Uraufführung
Wohl das fürstliche Marionettentheater auf Schloss Esterház, da das Theater am 18. November 1779 während der Vorbereitungen zum Fest Feuer gefangen hatte und abgebrannt war. Nur 8 Tage zuvor und trotzdem wurde Oper gespielt!
Anzahl der Aufführungen

Ein zweites Mal am 12. März 1780.

Partitur

L'isola disabitata - Azione teatrale
Herausgeber: Christine Siegert, Günter Thomas, Ulrich Wilker; Reihe XXV, Band 9;
2009, G. Henle Verlag München

Status der Partitur
Vollständig
Informationen zur Partitur

Autograph bis auf die ersten Seiten verloren. Es existieren aber drei von Haydn durchgesehene Abschriften. 1802 überarbeitete Haydn die Oper für eine geplante Herausgabe bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Was bei dieser Überarbeitung aber ins Auge sticht, ist die Uminstrumentierung. Üblicherweise wählt man bei den Produktionen dann immer die letzte Fassung des Komponisten. Mit dem Argument, dass ein solcher Eingriff nicht unbegründet stattfand. Tat es auch nicht. Blickt man auf Haydns Ensemble zurück, nimmt es nicht Wunder, dass ein Rezitativ des Gernando sein begleitendes Violinsolo verlor oder die ursprüngliche Fassung des Schlussquartetts die den Rollen zugeordneten Charakterinstrumente: Costanza – Solovioline; Silvia – Flöte; Gernando – Solovioloncello – Enrico – Fagott. Haydn traute den damaligen „fremden“ Orchestern seine kompositorischen Herausforderungen einfach nicht zu. Da war kein Luigi Tomasini, Haydns Freund und Konzertmeister, kein Anton Kraft, laut erster Gehaltsliste schon als Virtuose am Violoncello eingestuft aufgenommen, kein Zacharias Hirsch, seines Zeichens Flötist, und kein Caspar Peczival, der Fagottist. Und Haydn selbst soll ja nach der Fertigstellung der Bearbeitung gesagt haben, „... es sey ein Werkchen, das sich in seiner jetzigen Gestalt auf jedem Privattheater aufführen lasse“ 17 . Nun, man kann diese Qualifikation deuten wie man will! Ähnliches ist Jahre später in der Oper La fedeltà premiata mit einem gestrichenen Hornsolo zu beobachten. 
Auch wenn sich in dieser Oper besetzungstechnisch doch „alles“ um Haydns komplizierte Liebe zu Luigia Polzelli dreht, so gilt die künstlerische Aufmerksamkeit doch zwei anderen Charakteren: Zu allererst natürlich der von Haydn wirklich geschätzten Barbara Ripamonti und im Weiteren auch Andrea Totti. Nach dem wohl traurigen und vor allem verfrühten Ausscheiden Ripamontis am 10. April 1780 verschwand dieses faszinierende Kammerspiel vom Spielplan. Selbst bei der Rückkehr der Sängerin wurde L'isola disabitata anders als La vera costanza nie wieder aufgenommen. Das mag daran liegen, dass auch Totti nicht mehr zugegen war, als die Ripamonti zurückkehrte...

Personen

Opernkapitel Isola 1

Personen

Stab der II. Periode
Ensemble der II. Periode
Opernrollen
Costanza Moglie die Gernando Sopran
Silvia Sua minor sorella  Sopran
Gernando Consorte di Costanza Tenor
Enrico Compagno die Gernando Tenor
Besetzung / Attori
Orchestrierung
1|2|0|1 – 2|0 – 1 – Str.
Besetzung Orchester
1|2|0|1 – 2|0 – 1 – Str.
Anzahl der Orchestermusiker
1|2|0|1 – 2|0 – 1 – Str.(4|4|2|1|2)
Besetzung
Flöte Zacharias Hirsch
Oboe Vittorino Colombazzo, Zacharias Pohl
Fagott Caspar Peczival
Horn Johann Hollerrieder, Martin Rupp
Pauke Caspar Peczival
Violine/Viola Luigi Tomasini (KM), Antonio Rossetti, Joseph Purcksteiner, Joseph Hofmann, Francesco Ripamonti, Antonio Polzelli, Joseph Dietzl, Franz Pauer, Joseph Oliva, Christian Specht (Viola), Vito Ungricht (Viola)
Violoncello Anton Kraft
Kontrabass Johann Dietzl, Carl Schiringer

Textbuch

Opernkapitel Isola 2

Textbuch

Textbuch

Das Libretto wurde von Pietro Metastasio ursprünglich für Giuseppe Bonno (1753) geschaffen. Es wurde aber in den Jahren darauf einige Male vertont. Haydn bediente sich ganz offensichtlich der Fassung, die Luigi Bologna in seiner Opernkomposition verarbeitet hat. Beide Textbücher haben dieselben Änderungen. 18 Selbige Oper wurde einige Jahre zuvor in Wien mit Matilda Bolognia aufgeführt, jener Sängerin, die Jahre später zu fixen und wesentlichen Stütze seines Sängerensembles werden sollte.

Bearbeitung des Librettos
Vermutlich durch Nunziato Porta
Argomento

Navigava il giovane Gernando colla sua giovanetta sposa Costanza con la picciola Silvia ancora infante, di lei sorella, per raggiungere nell'lndie Occidentali il suo genitore, a cui era commesso il governo di una parte di quelle; quando da una lunga e pericolosa tempesta fu costretto a discendere in un'isola disabitata per dar agio alla bambina ed alla sposa di ristorarsi in terra dalle agitazioni del mare. Mentre queste placidamente riposavano in una nascosta grotta, che loro offerse comodo ed opportuno ricetto, l'infelice Gernando con alcuni de' suoi seguaci fu sorpreso, rapito e fatto schiavo da una numerosa schiera di pirati barbari, che ivi sventuratamente capitarono. I suoi compagni, che videro dalla nave confusamente il tumulto, e crederono rapite con Gernando la bambina e la sposa, si diedero ad inseguire i predatori; ma, perduta in poco tempo la traccia, ripresero sconsolati il loro interrotto cammino. Desta la sventurata Costanza, dopo aver cercato lungamente in vano il suo sposo e la nave che l'avea colà condotta, si credé, come Arianna, tradita ed abbandonata dal suo Gernando. Quando i primi impeti del suo disperato dolore cominciarono a dar luogo al naturale amor della vita, si rivolse ella, come saggia, a cercar le vie di conservarsi in quella abbandonata segregazion de' viventi; ed ivi dell'erbe e delle frutte, onde abbondava il terreno, si andò lunghissimo tempo sostenendo con la picciola Silvia, ed inspirando l'odio e l'orrore da lei concepito contro tutti gli uomini all'innocente che non gli conosceva. Dopo tredici anni di schiavitù, riuscì a Gernando di liberarsi. La prima sua cura fu di ritornare a quell'isola, dove avea involontariamente abbandonata Costanza, benché senza alcuna speranza di ritrovarla in vita. 

L'inaspettato incontro de' teneri sposi è l'azione che si rappresenta.

Opernteile

Opernkapitel Isola 3

Opernteile

    1. Sinfonia
PARTE PRIMA      
       
    2. Recitativo Costanza Qual contrasto non vince
      SCENA  II
      (Recitativo) Silvia , Costanza   Ah germana!
    3. Aria Costanza   Se non piange un'infelice
      SCENA III
    4. Recitativo Silvia   Che ostinato dolor!
      SCENA IV
      (Recitativo) Enrico , Gernando , Silvia   Ma sarà poi, Gernando
      SCENA V
      (Recitativo) Silvia , Enrico   Nulla intender poss 'io
    5. Aria Enrico   Chi nel cammin d'onore
      SCENA VI
    6. Recitativo Silvia   Che fu mai quel ch 'io vidi!
    7. Aria Silvia   Fra un dolce deliro
       
PARTE SECONDA      
      SCENA I
    8. Recitativo Gernando , Enrico   Ah presaga fu l'alma
    9. Aria Gernando   Non turbar quand 'io mi lagno
      SCENA II
    10. Recitativo Enrico   Non s'irriti fra' primi impeti
      SCENA III
      (Recitativo) Silvia , Enrico   Dov'è Costanza?
      SCENA IV
      (Recitativo) Silvia   Che mai m'avvenne!
    11. Aria Silvia   Come il vapor s'accende
      SCENA V
    12. Aria Costanza   Ah, che in van per me pietoso
    13. Recitativo Costanza   Giacchè da me lontana
    14. Cavatina e Recitativo Gernando , Costanza  
Giacchè il pietoso amico
      SCENA VI
      (Recitativo) Enrico , Costanza   lgnora il caro amico
      SCENA ULTIMA
      (Recitativo) Silvia , Costanza , Enrico , Gernando  
Costanza, Costanza?
    15. Quartetto Costanza , Silvia , Gernando , Enrico  
Sono contenta appieno

Inhalt

Opernkapitel Isola 4

Inhalt

"Der junge Gernando ging mit seiner jungen Gemahlinnn Konstanzia, und der Schwester derselben, die noch ein Kind war, zu Schiffe, um seinen Vater in Westindien, der einem Theile desselben als Gouverneur vorstand, zu besuchen, und ward von einem anhaltenden und gefährlichen Sturme gezwungen, auf einer unbewohnten Insel zu landen, um dem Kinde und der Gemahlinn die Bequemlichkeit zu verschaffen, sich auf dem Lande von den Bewegungen der Seereise zu erhohlen.
Unterdessen daß diese in einer verborgenen Grotte, die ihnen einen bequemen und gelegenen Aufenthalt darbot, einer sanften Ruhe genossen, ward der unglückliche Gernando, nebst einigen seines Gefolges, von einem großen Haufen barbarischer Seeräuber, welche unglücklicherweise daselbst landeten, überfallen, entführt, und zum Sklaven gemacht. Seine Gefährten, die vom Schiffe, wiewohl undeutlich, den Auflauf sahen, und nicht anders glaubten, als daß, mit dem Gernando zugleich, auch Kind und Gemahlin geraubt wären, machten Jagd auf die Räuber, verloren dieselben aber bald aus dem Gesichte, und setzten also, traurig und untröstlich, ihre unterbrochene Reise fort.
Als die unglückliche Konstanzia erwachte, und ihren Gemahl und das Schiff, das sie dahin gebracht, lange vergeblich gesucht hatte, glaubte sie sich, wie Ariadne, von ihrem Gernando verrathen und verlaßen.
Als die ersten Hefrigkeiten ihres hofnunglosen Schmerzes anfingen, der natürlichen Liebe zum Leben Platz zu machen, entschloß sie sich, nach ihrer Klugheit, alle Mittel aufzusuchen, in dieser verlassenen Abwesenheit von allen Lebendigen ihr Leben zu fristen. Sie erhielt sich und ihre Schwester lange Zeit von den Kräutern und Früchten, die das Land häufig hervorbrachte, und hauchte den ganzen Haß und Abscheu, den sie gegen alle Mannspersonen gefaßt hatte, der kleinen Unschuldigen ein, welche jene nicht kannte.
Nach dreizehnjäriger Sklaverey gelang es dem Gernando, sich in Freiheit zu setzen. Seine erste Sorge war, nach der Insel zurückzukehren, wo er wider Willen seine Konstanzia verlassen hatte; wiewohl ohne irgend eine Hoffnung, sie noch am Leben zu finden." 19

Erster Teil
Costanza hat mit ihrem Leben abgeschlossen. Sie ist dabei, mit dem zerbrochenen Degen Ihres Gernando eine Inschrift in den Felsen zu meißeln, die sie auch laut vorliest.

"Dal traditor Gernando Costanza abbandonata, i giorni suoi in questo terminò lido straniero. Amico passeggiero, se una tigre non sei, o vendica o compiangi ..." i casi miei.

"Von ihrem Mann Gernando verraten und verlassen, beschloss Costanza an dieser fernen Küste ihre Tage. Hast du, der du vorbeigehst, nicht das Herz eines Tigers, so räche mich oder weine..." über mein Schicksal 20 . Bei den letzten drei Worten ... über mein Schicksal ... hält sie innen und verschiebt die Vollendung der Inschrift mit dem Worten, das Schicksal könne noch warten.  
Silvia unterbricht diese traurige Szene mit ihrer kindlichen Freude darüber, ihren Spielkameraden, ein Reh, wiedergefunden zu haben. Costanza kommentiert schmerzvoll die naive Freude ihrer Schwester. Sie hat schon längst die Hoffnung aufgegeben, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. 13 Jahre ist es nun her, seit sie hier gestandet sind. Silvia versteht das ganz und gar nicht, wohnen doch dort die grausamen Männer, von denen ihr Costanza immer Furchtbares erzählt. 
Silvia sieht ein Schiff über das Meer kommen. Sie weiß natürlich nicht, was das ist. Scharf analysiert sie die Situation:
„Doch welch bizarres Gebilde taucht denn dort auf dem Meer auf? Ein Felsen ist's nicht; es kann ein Stein seine Lage nicht verändern. Die Riesenmonster, wie bewegt sich's so leicht! Schäumend zerteilt sich das Wasser hinter ihm! Auf seiner Bahn flieht es fast aus den Blicken, es trägt Flügel am Rücken, es schwimmt und fliegt auch!" 21  
Es handelt sich um Gernando und Enrico, die auf der Suche nach Costanza sind. Zumindest soll das Erdreich, das seine Geliebte und Ehefrau bedeckt, dann auch ihn überdecken, so Gernando.
Silvia kann nun endlich von ihrem heimlichen Versteck aus einen Blick auf das Gesicht Enricos erhaschen. Ein Bild, dass in ihr unbekannte Regungen hervorruft. Im folgenden erfährt man von Enrico, dass ihn Gernando aus der Gefangenschaft befreit hat und er sich mit dieser abenteuerlichen Reise als dankbar erweisen will.
Silvia findet mehr und mehr Gefallen an Enrico, kann aber dieses Wesen nicht wirklich zuordnen. Ein Mann kann es natürlich nicht sein, denn das würde sie am "tyrannischen Gesicht" erkennen. Eine Frau ist es freilich auch nicht, es trägt ja keine Röcke ... 

Zweiter Teil
Gernando, auf der Suche nach Enrico, entdeckt die in den Felsen gemeißelte Inschrift und ist nun vollends davon überzeugt, seine liebe Frau nicht mehr lebend zu finden. In diesem Moment taucht Enrico auf, der die Inschrift ebenfalls liest, aber doch auf deren Unvollständigkeit hinweist. Für Gernando ist das nur der Beweis, wie plötzlich sie der Tod ereilt hatte. Er bittet nun Enrico um etwas Ruhe und geht ab.
Nun treffen sich erstmals Silvia und dieses Wesen, das sich Enrico nennt.
Zwar bittet Silvia ihn aus Furcht Distanz zu halten, dennoch lässt sie sich auf ein Gespräch mit ihm ein. In dieser Unterredung, die eher zarte Annäherungsversuche darstellen, platzt nun Enrico beiläufig mit der Tatsache heraus, dass er ein Mann sei, was Silvia vollkommen verschreckt. Enrico beruhigt sie und sie bleibt, zu sehr gefällt ihr dieser Mann. Im Weiteren erfährt Enrico, dass Costanza noch am Leben ist und auch Enrico berichtet, dass sich Gernando ebenfalls auf der Insel befindet. Sie beschließen, die anderen zum vereinbarten Treffpunkt herbeizuholen. Als Silvia allein ist, gibt sie sich erstmals diesem Liebesgefühl hin.
In der nächsten Szene beklagt wieder Costanza ihr Los und beschließt, die Inschrift im Felsen zu vollenden. Da kommt Gernando hinzu, ohne zunächst Costanza zu bemerken. Doch es kommt wie es kommen muss: Sie treffen erstmals, nach so langer Zeit, aufeinander und Costanza fällt in Ohnmacht, nicht ohne ihn vorher noch als Verräter zu beschimpfen. Gernando eilt weg, um Wasser zu holen. Unterdessen kommt Enrico zurück, findet Costanza und klärt sie über die letzten 13 Jahre auf. Costanza erkennt, dass sie Gernando zu Unrecht als Verräter beschimpft hat.
Die Geschichte findet vorerst ein gutes Ende. Eines bleibt noch: Costanza muss nun Silvia davon überzeugen, dass die so gescholtenen Männer doch nicht ganz so schlimm sind ...
Die Oper endet mit der "Quartettzeile": "O Tag des größten Glückes, an dem ich Frieden finde! Segeln wir fort im Winde, um jubelnd uns zu freuen!" 22

Libretto