JOSEPH HAYDN

13 OPERE

Lo speziale

Dramma giocoso

Haydn13

Operndaten

Originaltitel im Textbuch

LO SPEZIALE DRAMMA GIOCOSO DA RAPPRESENTARSI A ESTERHAZ NEL TEATRO DI S. A. IL PRENCIPE ESTERHAZY DE GALANTHA &c. &c.  NELL’AUTUNNO DELL’ANNO 1768.

Ordnung
I. Periode 3. Oper / Reihe XXV:3 / Hob. XXVIII:3
Operntypus
Dramma giocoso / Opera buffa
Anzahl der Akte
1
Anlass der Komposition

Zur Einweihung des neuen fürstlichen Opernhauses auf Schloss Esterház und da wohl anlässlich des Besuchs des Herzogs Albert Kasimir von Sachsen-Teschen, Palatin von Ungarn und seiner Gemahlin Erzherzogin Maria Christine. 5

Kompositionsjahr
1768
Uraufführung
24. – 29. September 1768
Ort der Uraufführung
Fürstliches Opernhaus auf Schloss Esterház
Anzahl der Aufführungen

Weitere Aufführungen im März 1770 in Wien mit Haydn und seinem Ensemble. Am 14. Oktober 1774 kam es erneut zu einer Aufführung. 

Partitur

Lo speziale - Dramma giocoso
Herausgeber: Helmut Wirth; Reihe XXV, Band 3;
1959, G. Henle Verlag München

Status der Partitur
Unvollständig, was wohl schon zu Haydns Lebzeiten der Fall war.
Informationen zur Partitur

Es fehlen im Autograph:

  • Sinfonia (existiert aber in zeitgenössischen Abschriften)
  • Die Anfangstakte (wohl 30 an der Zahl) der Auftrittsarie des Mengone Tutto il giorno pista, pista im I. Akt, Arie Nr. 2.
  • Sämtliche 6 Szenen des 3. Aktes außer die Arie des Volpino Salamelica, Semprugna cara und das Finale.

Bei der Aufführung am 14. Oktober 1774 kam es zu Änderungen in der Partitur: Es waren 1774 keine 2 Flöten verfügbar. Diese Anpassung betrifft auch die Arie der Grilletta Caro Volpino amabile .

Personen

Opernkapitel Lo spe 1

Personen

Stab der I. Periode
Ensemble der I. Periode
Opernrollen
Sempronio Speziale Tenor
Mengone Uomo di Spezieria Tenro
Grilletta Pupilla sotto tutella di Sempronio Sopran
Volpino   Sopran
Besetzung / Personaggi
Orchestrierung
2|2|0|1 – 2|0 – Str.
Besetzung Orchester
1|2(+1Fl)|0|1 – 2|0 – Str.
Anzahl der Orchestermusiker
1|2|0|1 – 2|0 – Str. (2|2|1|2|1)
Besetzung
Flöte Franz Sigl und ein Oboist
Oboe Vittorino Colombazzo und Michael Kapfer, Georg Kapfer
Fagott Johann Hinterberger
Horn Thaddäus Steinmüller, Carl Franz oder Johann May (siehe Violinen)
Violine/Viola Luigi Tomasini (KM),  Joseph Dietzl, Joseph Purcksteiner (2. Violine), Carl Franz oder Johann May (2. Violine), Christian Specht (Viola)
Violoncello Joseph Weigl, Ignaz Küffl
Kontrabass Carl Schiringer

Textbuch

Opernkapitel Lo spe 2

Textbuch

Textbuch

Carlo Goldonis Libretto "Lo speziale" erfuhr um 1754 im Teatro San Samuele in Venedig in einer Gemeinschaftskomposition Vincenzo Pallavicinis und Domenico Fischiettis seine Uraufführung. Diese Vorlage benutze Haydn, aber in massiv verkürzter Form. Fast ein Drittel der Szenen wurde gestrichen! Auch in die Besetzung griff Haydn kräftig ein: Die zwei Parti serie Albina und Lucindo wurden aus dem Original-Libretto entfernt, was Haydn bei seiner nächsten Goldini-Oper "Le pescatrici" dann nicht mehr gemacht hat. Ebenso strich er eine Buffa-Nebenrolle, die Rolle der Cecchina. Es liegt aber die Vermutung nahe, dass Haydn diese Rollen aus besetzungstechnischen Notwendigkeiten heraus strich und weniger aus dramaturgischen Überlegungen.

Bearbeitung des Librettos
Unter Umständen Carl Friberth

Opernteile

Opernkapitel Lo spe 3

Opernteile

    1. Sinfonia
ATTO PRIMO      
      SCENA I
    2. Aria e Recitativo Mengone Tutto il giorno pista, pista
      SCENA II
      Recitativo Sempronio , Mengone   Oh bellissima nuova!
      SCENA III
      Recitativo Volpino , Sempronio , Mengone   Servo, signor speziale
    3. Aria Sempronio   Questa e un’altra novità
      SCENA IV
    4. Recitativo Volpino , Mengone  Mengon amico
    5. Aria Mengone   Per quel che ha mal di stomaco
      SCENA V
    6. Recitativo Volpino  Oh che bravo garzone!
      SCENA VI
      Recitativo Volpino , Grilletta Grilletta  Siete matto?
    7. Aria Grilletta Caro Volpino amabile
      SCENA VII
    8. Recitativo Volpino   Maledetta fortuna!
    9. Aria Volpino   Amore nel mio petto
      SCENA VIII
    10. Recitativo Mengone , Grilletta   Ho fatta la fatica
      SCENA IX
    11. Terzetto Finale Grilletta , Mengone , Sempronio  
Quanti son di questa pol vere
       
ATTO SECONDO      
      SCENA I
    12. Recitativo Sempronio , Volpino   Canaglia maledetta!
    13. Aria Volpino   Un certo tutore in Francia vi fu
      SCENA II
    14. Recitativo Sempronio Eh capisco
    15. Aria Sempronio   Ragazzaccie, che senza cervello
      SCENA III
    16. Recitativo Grilletta , Mengone   Ancora il cor mi trema
    17. Aria Grilletta   A fatti tuoi badar tu puoi
      SCENA IV
    18. Recitativo Mengone   Deh! son pur sfortunato!
      SCENA V
      Recitativo Grilletta , Sempronio   Sì, sì, per far dispetto
      SCENA VI
      Recitativo Volpino , Sempronio , Grilletta  
Fortuna, se potessi
      SCENA VII
      Recitativo Mengone , Sempronio , Volpino , Grilletta  
Ah razza maledetta!
    19. Quartetto Finale Grilletta , Volpino , Mengone , Sempronio  
Colla presente scrittura privata
       
ATTO TERZO      
      SCENA I
      Sempronio , Volpino   Oh disgraziati!
      SCENA II
      Volpino   Ho vinto
      SCENA III
      Mengone , Grilletta   Penso … dico …
      SCENA IV
      Sempronio , Volpino   Or che tutto è concluso
    20. Aria Volpino   Salamelica, Semprugna cara
      SCENA V
      Sempronio , Grilletta , Mengone   Che bel parlar grazioso 
      SCENA VI
      Volpino , Sempronio , Mengone   Grilletta non trovara
    21. Finale Grilletta , Volpino , Mengone , Sempronio  
Signor Sempronio 
       
    7a. Aria Grilletta   Caro Volpino amabile  [Zweite Version]

Inhalt

Opernkapitel Lo spe 4

Inhalt

Erster Akt
Im Apothekerladen des Sempronio steht Mengone, sein Gehilfe, und klagt über die langweilige und eintönige Arbeit. 
Sempronio kommt hinzu, und man erfährt gleich von seiner Marotte: Den ganzen Tag liest er Zeitung und verliert sich in irgendwelchen Schlagzeilen: „In Paris hat ein Apotheker sein Mündel geheiratet", was er natürlich sofort auf sich ummünzt. Grilletta ist sein Mündel, aber nicht ihres Aussehens, sondern des Geldes wegen. So versucht er, sie vor aller Welt abzuschotten, um keine unliebsamen männlichen Konkurrenten zu bekommen.
Volpino, der auf Grilletta ein Auge geworfen hat, kommt unter dem Vorwand, sich zwei Rezepte mischen zu lassen, in die Apotheke. Volpino will auch sogleich Sempronio sprechen, dieser aber verweist ihn an Mengone, schließlich hat er Wichtigeres zu tun: Das Studieren der Zeitung.
Während Mengone sich anschickt, die beiden unleserlichen Rezepte zu mixen, versucht Volpino von Mengone mehr über Grilletta zu erfahren, doch ist dieser nicht sehr auskunftsfreudig. Auch Mengone ist in Grittella verliebt und das mit durchaus mehr Chancen. 
Nachdem Mengone den Raum verlässt, will auch Volpino gehen und trifft dabei auf Grilletta. Kalt lässt diese ihn abblitzen, schon allein ihres Vormundes wegen. Volpino versucht sie sogleich mit einer Provokation aus der Reserve zu locken, weiß er doch, welches Liebesverhältnis sie zu Mengone hat, was Grilletta natürlich empört zurückweist.
So geht Grilletta ab und Volpino zieht ein trauriges Resümee.
In der nächsten Szene trifft Mengone auf Grilletta, die in ihrer "Beziehung" nun endlich Klarheit  schaffen will. Aber Mengone fürchtet Sempronio, was bei Grilletta Unverständnis und Ärger auslöst. Sie kommen sich dann doch näher, werden aber von Sempronio gestört, der natürlich sofort wissen will, was da vor sich geht. Schlagfertig erklärt Grilletta die Annäherung mit dem plötzlichen Unwohlsein Mengones. Zwar fühlt Sempronio kurz Mengones Puls, ist aber mit seinen Gedanken schon wieder in der Zeitung versunken. Beiläufig gibt er beiden einen Arbeitsauftrag, sie bleiben also beisammen. Liebe liegt in der Luft! Grilletta und Mengone nutzen Sempronios Geistesabwesenheit um etwas zu kokettieren. Sempronio, jetzt in einen Atlas versunken, benötigt ganz plötzlich einen Kompass. Kurz verlässt er den Raum. Das ist die Gelegenheit für Mengone und Grilletta, endlich ... doch Sempronio kommt viel zu schnell zurück und erwischt sie in flagranti.

Zweiter Akt
Sempronio ist über das Treiben dieses "tückischen Gesindels" vollkommen aufgebracht. Zu allem Überfluss kommt auch noch Volpino hinzu, der obendrein auf tolpatschige Art um die Hand Grillettas anhält. Sempronio sagt entschieden nein. Doch so unbeholfen der Antrag auch war, Volpino ergattert mit einer Zeitungsente dennoch kurz Sempronios Aufmerksamkeit:
"In Frankreich habe ein Vormund seinem Mündel die Ehe verhindert wurde deshalb mit Stockschlägen bestraft."
Sempronio zeigt wenig Einsicht, und ist mehr denn je entschlossen, klare Fakten zu schaffen: Sollte das Charmieren nicht aufhören, setzt es ebenfalls Schläge! Denn Grilletta - und jetzt ist es ausgesprochen - sollte seine Frau werden.
Diese Drohung war für Mengone zu viel: Während sich Grilletta nach Sempronios Wutausbruch schnell wieder fasst, rutscht Mengone das Herz endgültig in die Hose. Sehr zum Ärger Grillettas, die daraufhin ihre Konsequenzen zieht: Sie stellt ihn vor die Wahl: Bekenntnis zur Liebe oder Trennung. Ja oder nein! Mengone bringt es nicht übers Herz, sich irgendwie zu entscheiden und so verlässt sie den den "Tölpel"  kurzer Hand.
Mengone ist niedergeschlagen. Er will Grilletta besänftigen, weiß aber nicht wie, und verschwindet von der Szene. Grilletta hingegen ist so wutentbrannt, dass sie auf der Stelle jeden heiraten würde, der ihr einen Antrag macht. In dem Moment kommt auch schon Sempronio und macht Grilletta eben diesen Heiratsantrag, nicht ohne vorher die Vorzüge der Ehe mit einem "reifen, gesetzten Herrn" zu betonen. Zur Überraschung Sempronios willigt Grilletta ohne viel Aufsehens ein, gerade um es Mengone heimzuzahlen. In der Hoffnung auf ein "Ja", aber auch um das Bündnis schnellst möglich zu schließen, berief Sempronio schon vor der Unterredung mit Grilletta einen Notar zu sich. 
Volpino und Mengone haben aber unabhängig von einander von Sempronios Plan erfahren. Beide wollen noch die letzte Chance nutzen ... und geben sich als Notare aus. Sempronio ist etwas verwirrt, immerhin hat er nur einen Notar bestellt, aber da keiner von beiden bereit ist, nachzugeben bzw. auf sein Geld zu verzichten, akzeptiert er beide; doppelt hält besser. Grilletta hingegen schöpft Verdacht.
So wird ein Ehevertrag zwischen Grilletta und Sempronio aufgesetzt, diktiert von Sempronio und niedergeschrieben von beiden „Notaren“. Als nun Sempronio und Grilletta unterschreiben sollten, wollen diese jedoch den Vertrag erst einmal durchlesen. Da fliegt der Schwindel auf: Im Vertrag des "Notar Volpino" wurde „Sempronio“ durch „Volpino“ ersetzt und in jenem des "Notar Mengone" durch Mengone. Die Eheschließung platzt, die Zeremonie endet im Tumult.

Dritter Akt
(Da in der Partitur von diesem Akt die Szenen I bis III fehlen und auch die IV. Szene unvollständig ist, kann hier nur das Textbuch inhaltlich wiedergegeben werden.)
Wieder hat Volpino eine kreative Eingebung, Grilletta doch noch zu bekommen. Er, Volpino, hätte Sempronio Nachrichten aus Persien und der Türkei zu überbringen. Anfangs ist Sempronio argwöhnisch, doch die Neugierde überwiegt und so lässt er sich den Zeitungsartikel geben: "Der König der Molukken will mit großem finanziellen Aufwand einen Apotheker in sein Land holen, um so gegen allerlei Seuchen und Krankheiten vorzubeugen." Das große Geld vor Augen habend, sagt Sempronio sofort zu und ist bereit, seine Heimat zu verlassen. Siegesgewiss sieht Volpino schon eine Zukunft mit Grilletta vor sich. 
Unterdessen versöhnen sich Grilletta und Mengone. 
Volpino hat sich in der Zwischenzeit als jener Türke verkleidet, der Sempronio abholen sollte. Hinterlistig will er als Türke noch schnell Grilletta ehelichen, schließlich solle er, Sempronio doch auch an sein Mündel denken und es versorgt wissen. Sempronio denkt an den Reichtum, der ihm in der Türkei winkt und willigt sofort ein.
Von Volpinos perfiden Plan haben auch Grilletta und Mengone Kenntnis erhalten und so hat sich Mengone ebenfalls als Türke verkleidet. Grilletta stellt nun ihrem Vormund Sempronio jenen Türken vor, der sie ehelichen sollte. Sempronio, nur noch an das Geld denkend, willigt auch hier ein. Sie könne auch ruhig vier Türken nehmen, meint er. Schnell wird die Trauung vollzogen und Volpino somit ausgetrickst.
Schließlich kommt Volpino zurück und kann nur noch seine Niederlage feststellen. Wutentbrannt legt er die Verkleidung ab. 
Jetzt muss auch Sempronio erkennen, dass er böse getäuscht wurde. Keine Türkei und keine Grilletta ... Doch am Ende akzeptieren beide Männer die Niederlage und stimmen in den Chor mit ein: "Die Liebe ist Sieger; so mancher wird klüger, doch andre verdummen; sie müssen verstummen und fügen sich drein". 6

Libretto